Peace Makers - Brief an Nike

an Nike, Mark Pinger, General Manager

Pressekonferenz zum Welttag gegen Kinderarbeit

 

Sehr geehrter Herr Pinger,

 

hiermit möchten wir Sie herzlich zu unserer Pressekonferenz zum internationalen "Welttag gegen Kinderarbeit" einladen, den die die Internationale Arbeitsorganisation (ILO) seit 2002 alljährlich am 12. Juni begeht.

 

Ort:      Städtische Realschule Kerpen, Klasse 6 c/d, Bruchhöhe 27, 50170 Kerpen

Zeit:    12. Juni 2012 – 10.35 bis 11.20 Uhr

 

Wir haben Ihnen im November letzten Jahres einen Brief geschrieben, der bis heute noch nicht beantwortet wurde:

 

„Ihre Firma sagt zwar, dass für ihr Label keine Kinderarbeit benutzt wird. Wir würden Ihnen das gerne glauben, bitten Sie aber, uns mitzuteilen, ob die Kinder der Ballnäher, denn statt zu arbeiten auch wirklich in die Schule gehen. Gibt es überhaupt genug Schulen für diese Kinder? Sie wissen ebenso wie wir, dass die Armut langfristig nur durch eine ausreichende Bildung bekämpft werden kann. Deswegen reicht es uns nicht, wenn Sie sagen, dass Kinder unter 15 Jahren in Ihren Fabriken nicht arbeiten. sind Sie sich sicher, dass dies auch nicht heimlich passiert? Noch wichtiger ist wohl die Frage: Verdienen die Eltern genug, um die Kinder in die Schulen zu schicken oder arbeiten ihre Kinder wohl möglich nun unter noch schlechteren Bedingungen in anderen Jobs? Aus dem fairen Handel wissen wir, dass dort nur Eltern beschäftigt werden, die ihre Kinder in die Schule schicken. Wie handhaben Sie das bei Ihren Ballnähern?“

 

Wir möchten noch einmal ein wenig ausführlicher auf das Thema eingehen.

Frage: Warum müssen die Kinder arbeiten?

 

Eigentlich sind wir davon ausgegangen, dass das Problem Kinderarbeit nach deren Verbot in Pakistan positiv gelöst ist. Aber dann lasen wir im SPIEGEL:

 

Zitat SPIEGEL-Artikel vom 15.3.2010: Die Eltern schicken ihre Kinder jetzt in die Ziegelbrennereien und in die Metall verarbeitende Industrie, dort schert sich niemand um das Image. Irgendwie müssen die Familien ja überleben. Die Manager der Sportfirmen wissen das, aber man will die Wünsche der westlichen Konzerne erfüllen, die Käufer der teuren Bälle möchten das Geld schließlich mit gutem Gewissen ausgeben. Dass jetzt direkt neben der Nähfirma Danayal junge Mädchen Ziegelsteine schleppen, ahnt der Kunde im Sportgeschäft ja nicht. "Bei uns hatten es die Zehn- oder Zwölfjährigen dagegen richtig gut", sagt ein Manager, der seinen Namen nicht genannt wissen möchte. "Sie haben bei uns ein Handwerk gelernt, das ihnen ein Leben lang ihre Einkünfte gesichert hat. Jetzt gibt es kaum noch Nachwuchs, wir haben Schwierigkeiten, gute Näher zu finden."

 

Nach unseren Informationen sind die Lebenshaltungskosten im gleichen Zeitraum im zweistelligen Bereich gestiegen. Für die betroffenen Arbeiterinnen und Arbeiter öffnet sich damit eine Schere, die sie dazu zwingt, ihre Kinder arbeiten zu lassen, damit die Familie überleben kann.

 

 

Frage: Wie viel verdienen die Erwachsenen?

 

Zitat SPIEGEL 15.3.2010: „Gleich am Eingang hängt ein Zettel, bedruckt mit den aktuellen Tarifen. Je nach Modell zahlt ihm sein Arbeitgeber pro Ball 55 bis 63 Rupien, also 47 bis 55 Cent. "An einem guten Tag schaffe ich sechs Stück", sagt Shaukat. Acht Stunden lang hat er dann dagesessen und gearbeitet. "Das ist nicht viel Geld", sagt er, während er die Nadel durch das dicke Kunstleder sticht und zwei Flicken vernäht.“

 

Wir haben eine Promotion von Jörg Zimmermann im Jahre 2006 zur Fußballproduktion in Pakistan gefunden.

 

Zitat Jörg Zimmermann: …"dass die Stücklöhne für einen Fußball in den vergangenen zehn Jahren von umgerechnet 0,56 Euro auf 0,51 Euro gesunken sind."

 

Bitte teilen Sie uns mit, wie sich der Verlauf der Entlohnung der Arbeiterinnen und Arbeiter im Laufe der letzten 10 Jahre entwickelt hat.

 

 

Frage: Wie hoch sind die Lebenshaltungskosten in Pakistan

 

Wir haben große Sorge, dass steigende Lebensmittelpreise in Pakistan die Menschen in die Armut treiben.

 

Zitat 10-05 TRANSFAIR. Armut ist ein weitverbreitetes Problem in Pakistan. Es wird geschätzt, dass über 30 Prozent der Bevölkerung des Landes unter der Armutsgrenze leben. Sialkot ist dicht bevölkert, und rund 40.000 Menschen sind in der Sportballindustrie beschäftigt. Die Betriebe in der Sportballherstellung werden immer wieder entschuldigt, schlechte Löhne zu zahlen, schlechte Arbeitsbedingungen zu bieten und Kinder illegal zu beschäftigen. Diese werden zur Arbeit gezwungen, weil die Löhne der Erwachsenen oft nicht ausreichen, eine Familie zu ernähren.

 

Bitte teilen Sie uns mit, wie sich die Lebenshaltungskosten in Sialkot im Laufe der letzten 10 Jahre tatsächlich entwickelt haben.

 

 

Frage: Was verdient Nike?

 

Bitte teilen Sie uns mit, wie viel Nike in den letzten 10 Jahren verdient hat. Wir möchten es gern in Relation zu den Lebenshaltungskosten in Sialkot setzen.

 

 

Frage: Was könnte Nike ändern?

 

Wir haben eine Idee und möchten Ihnen vorschlagen, einen kleinen Teil Ihres Gewinns zusätzlich für die Entwicklung von Maßnahmen zur Verfügung zu stellen, die Kinderarbeit nachhaltig verhindert. Wir wissen nicht, ob dies ein sinnvoller Vorschlag ist und ob dadurch genug Geld zusammen kommt, um die Situation zu verändern.

 

Vielleicht wäre möglich, dass Kinder, die zur Schule gehen, „Schulgeld“ bekommen, so dass den Eltern der Verdienstausfall erleichtert wird.

 

Gern würden wir das mit Ihnen besprechen. So geht es auch in diesem Fall nicht um eine Konfrontation mit Nike, sondern um den Versuch, einen Lösungsweg zu finden.

 

Wir hoffen sehr, dass Sie am 12. Juni in Kerpen bei der Pressekonferenz dabei sein können.

 

 

Mit freundlichen Grüßen

 

 

Die Aktivgruppe PEACEMAKERS

 

 

Dieser Brief wurde im Sinne der Aktivgruppe Peacemakers verfasst von Günter Haverkamp, Aktion Weißes Friedensband e.V., Tel. 0211-9945137, haverkamp@friedensband.de

 

Kommentar schreiben

Kommentare: 1
  • #1

    Peggy (Montag, 01 Oktober 2012 17:45)

    Hallo,
    ich möchte gerne fragen ob es denn je eine Antwort auf diesen Brief gab?

    Viele Grüße